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Gefühlte Sicherheit

Die Welt verändert sich. Soviel zu dem wirklich Neuen beim heutigen Ausblick auf die Hochebene.

Es gibt verschiedene Arten wie sie sich verändert. In den meisten Fällen und damit will ich mich heute beschäftigen, ist es ein sehr sehr langsamer kunstvoller Prozess. Die größte Kunst dabei ist es uns, den eigentlich aktiv Beteiligten, einen falschen Zeitvergleichsrahmen unterzujubeln und wenn wir von Tag zu Tag in den Spiegel schauen wird das Ergebnis nie über ein, gut gut ist doch alles wie gestern, okay da ist ein graues Haar und ist dieses Lachfältchen nicht gestern noch eine Sekunde schneller wieder verschwunden, wenn ich den Blick vom „Ich lach mich kaputt“ - Testbild auf den „Der Ernst des Lebens“ – Kanal zurückschalte, hinausgehen. Aber nichts, was einen von heute auf morgen aufhorchen lässt.

Nur wenn einem dann der alte Bekannte von früher beim Rewe über den Weg läuft, wenn man nur mal kurz…, mit den Klamotten die halt gerade von gestern in Reichweite lagen und ohne diese wirren Kandidaten, die sich Haare schimpfen aber in Wirklichkeit aus der Widerstandsbewegung Frankreichs auf den eigenen Kopf migriert zu sein scheinen, auch nur ein bisschen Einhalt geboten zu haben…. also wenn man eben nur mal kurz schnell was besorgt und sich der Illusion des unerkannten hingibt, wohl wissend, dass die Frau an der Kasse auch dieses mal jeden Geldschein fünf mal zwischen den Fingern reiben und der Mann hinter der Fleischtheke den Serrano-Schinken wieder suchen wird, obwohl er immer an der gleichen Stelle liegt… obwohl man das alles weiß und ungeachtet der Tatsache, dass die Bäckersfrau einen sogar mit Namen anspricht, gerade diese wiederkehrende Gleichmäßigkeit wiegt uns in den Armen der Sicherheit, dass die eigene temporäre Verlotterung nur wie ein schnell wieder dahingehender Fehler in der Matrix ist und der schon morgen nur ein weitere vergessene Version des täglich grüßenden Murmeltiers sein wird.

Gerade dann, wenn man sich aus all diesen Gründen sicher fühlt, schlägt Murphy einem mitten ins Gesicht und man weiß es in dem Moment wo einem die kleinen Hämmerchen im Ohr eben nicht das beschwerden Mööpen des Pfand-Automats oder einen Teil dieser „Was darf’s noch sein?“-Konversation hinters Fell trommeln, sondern ein unsichtbarkeits-illusions-vernichtendes „Mensch, dich hab ich ja ewig nicht mehr gesehen“

Ja wir wissen, da wiegt nichts mehr, außer der Klos im Hals, für die Flucht ist es auch zu spät und gut, was soll’s, man ist ja alt genug, weiß wer man eigentlich ist und es und auch sonst nichts und niemand hilft ja jetzt nix bis nicht, nur lass es nicht ausgerechnet noch meine Jugendliebe sein, die damals nichts von mir wollte und der man als toller Typ frei nach den Ärzten begegnen wollte.

„Ja wirklich, dass ist ja toll das ich dich und dann gerade hier mal wieder treffe“ entgegne ich mit einer Reflex-Erfreuten-Stimmlage,

„Wie geht’s“ schiebe ich noch hinterher um die Aufmerksamkeit von mir zu lenken und Zeit zu gewinnen.

„Gut geht’s mir und selbst?“ wird meine Taktik torpediert und während ich noch darüber sinniere, wie ich die letzten Jahre mit der aktuellen Lage in einem Satz paare, schiebt die Personifizierung von Murphy’s Law genau die Wörter hinterher, die einem aus der Trägheit des Zeitkontinuums heraus zu reißen scheinen und mit jenen Morlocks konfrontiert, die aus einem selber auf der Reise durch die Zeit hervorgekrochen sind: „Mensch, du hast dich aber verändert“

Nun, da ist theoretisch vom gescheiterten dauerbekifften Looser bis zum charismatischen Super-Typ der’s geschafft hat alles drin.

„und GUT siehst du aus“…

Das sollte jetzt natürlich die Brust nach vorne wandern lassen und meine nachlässige Haltung wie von selbst korrigieren, denn ich renne wie ein abgerissener Penner rum, stehe im kühlen Licht einer Einkaufskette, was wäre da erst im Normalzustand drin.

Dumm an dem Nicht-Normalzustand ist nur, dass man so was dann gar nicht hören möchte. In einem unglaublichen Trick der eigenen Psyche, in diesem Status der Un-Synchronität zwischen Moment-Selbstwahrnehmung und der Einen-Größeren-Rahmen-Betrachtenden Fremdwahrnemung scheint es gar den Normalzustand zu diskreditieren.

 

Noch viel schlimmer aber ist, die Sicherheit und Leichtigkeit des morgendlichen Spiels im Spiegel ist dahin und ab Morgen werde ich die Veränderung suchen.

Ich werde wohl erstmal mit dem Anfangen, was ich auszusetzen habe, das psotivie hat man mir ja schon genommen und einfach so vor den Latz geballert. Ungeachtet ob ich das wollte oder nicht. Unverschämtheit. Typisch.

Vielleicht geh ich morgen mal zu Real. Hab gehört, da ist man sicher, anonymer und nach ein paar Tagen bis Wochen wird die Reise im Veränderungs-Delorean beendet sein, der Flux-Kompensator außer Betrieb und man schwimmt wieder in Ruhe durch den Fluss der Zeit.

 

Auf dem Weg nach Hause denke ich über die Begegnung nach und erwische mich bei einem stolzen Mini-Lächeln. Gut für die Lachfalten. Ich fühle mich sicher und lich nicht schlecht.

 

Hoppa Lotze Otze.

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